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Grundlagen · 9 Min. Lesezeit

Prop Trading erklärt: Was es ist und wie es funktioniert

Was ist Prop Trading? Vom Eigenhandel der Banken bis zur Online-Challenge: Kosten, Regeln, echte Auszahlungsquoten und Risiken für Trader aus DACH.

Von der PropFirmGrades-Redaktion ·

Prop Trading (kurz für Proprietary Trading) bedeutet, dass ein Unternehmen mit eigenem Geld auf eigene Rechnung handelt, nicht für Kunden. Früher waren das vor allem die Handelsabteilungen großer Banken. Heute meinen die meisten damit Online-Prop-Firms: Du kaufst eine Challenge, und wenn du sie bestehst, beteiligt dich die Firma am Gewinn auf einem meist simulierten Konto. Nur wenige kommen bis zur Auszahlung. In einem Datensatz von FPFX Tech bestanden 14 % der Trader die Challenge, und etwa 7 % aller Trader bekamen Geld ausgezahlt.

Was ist Prop Trading?

Beim Prop Trading handelt eine Firma Finanzinstrumente auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko. So definiert es auch die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA. Der Gewinn gehört der Firma, der Verlust auch. Kundengelder spielen keine Rolle.

Auf Deutsch sagt man oft „Eigenhandel“. Im deutschen Aufsichtsrecht ist das Wort allerdings enger belegt. Das Kreditwesengesetz (KWG) nennt „Eigenhandel“ vor allem Tätigkeiten mit Bezug zu anderen: Kurse für Kunden stellen, Finanzinstrumente als Dienstleistung für andere kaufen oder verkaufen, Hochfrequenzhandel. Reiner Handel für eigene Rechnung ohne diese Merkmale heißt dort „Eigengeschäft“. Für dich als Trader reicht die einfache Version: Prop Trading ist Handel mit dem Geld der Firma statt mit Kundengeld.

Heute gibt es zwei sehr verschiedene Welten unter demselben Namen:

Klassisches Prop Trading Online-Prop-Firms
Wer tradet Angestellte Trader im Büro Privattrader von zu Hause
Zugang Bewerbung, Einstellung Kauf einer Challenge, fast jeder kann starten
Kapital Echtes Geld der Firma Meist simuliertes Konto
Einnahmen der Firma Handelsgewinne Vor allem Challenge-Gebühren
Was du bekommst Gehalt und Bonus Gewinnbeteiligung, meist 80-90 %

Klassisches Prop Trading: der Eigenhandel der Banken

Lange hatten große Banken eigene Prop Desks. Dort handelten angestellte Trader mit dem Kapital der Bank, um Kursgewinne mitzunehmen. Inzwischen ist dieses Geschäft für Banken stark eingeschränkt.

  • USA: Die Volcker Rule verbietet Banken grundsätzlich den Eigenhandel und Beteiligungen an Hedgefonds und Private-Equity-Fonds. Die Behörden haben die Regeln am 10. Dezember 2013 verabschiedet.
  • Deutschland: § 3 Absatz 2 KWG verbietet großen CRR-Kreditinstituten Eigengeschäfte, wenn bestimmte Handels- und Wertpapierbestände 100 Milliarden Euro übersteigen oder, bei einer Bilanzsumme von mindestens 90 Milliarden Euro, 20 % der Bilanzsumme. Erlaubt bleiben solche Geschäfte nur in einem abgetrennten Finanzhandelsinstitut.

Professionelles Prop Trading gibt es weiter, etwa bei spezialisierten Handelshäusern und Market Makern. Diese Firmen stellen Trader ein, handeln echtes Kapital und brauchen je nach Tätigkeit eine Erlaubnis. Für Privattrader ist das meist nicht der Weg, wenn sie „Prop Trading“ googeln.

Prop Trading heute: Online-Prop-Firms

Wenn heute von Prop Trading die Rede ist, geht es fast immer um Online-Prop-Firms für Privattrader. Die FMA beschreibt diese neuen Formen als „Trading Challenges“, Ausbildungsprogramme oder Erfolgsbeteiligungsmodelle für externe Trader. Dabei werde oft nicht mit echtem Kapital gehandelt.

Das deckt sich mit den Bedingungen großer Anbieter. FTMO schreibt in seinem FAQ, dass ein FTMO-Konto „fully fictitious funds“ enthält, also vollständig fiktives Geld, bewertet mit echten Marktkursen. Deine Trades gehen nicht an einen echten Markt. Die Gewinnbeteiligung, die dir die Firma auszahlt, ist aber echtes Geld.

Was das für dich heißt: Du kaufst eine Dienstleistung, keine Geldanlage. Du zahlst eine Gebühr, tradest nach festen Regeln und bekommst bei Erfolg einen Anteil am simulierten Gewinn. Mehr zum Modell steht in unserem Ratgeber Was ist eine Prop Firm? und zum Konto selbst in Was ist ein Funded Account?.

So funktioniert das Challenge-Modell

Bei fast allen Prop Firms läuft es nach demselben Muster:

  1. Challenge kaufen. Du wählst eine Kontogröße, etwa 100K, und zahlst eine Gebühr. CFD-Firmen verlangen meist eine Einmalgebühr, Futures-Firmen oft ein Monatsabo.
  2. Gewinnziel erreichen. Du musst ein Gewinnziel schaffen, ohne das Tagesverlustlimit oder den maximalen Verlust zu verletzen.
  3. KYC-Prüfung und Vertrag. Nach dem Bestehen prüft die Firma deine Identität, und du unterschreibst einen Trader-Vertrag.
  4. Funded-Konto traden. Ein Gewinnziel gibt es nicht mehr, die Verlustlimits bleiben. Du beantragst Auszahlungen nach Zeitplan.
  5. Skalieren. Viele Firmen vergrößern dein Konto, wenn du über Monate stabil im Plus bist.

So sieht ein konkretes Beispiel aus, die FTMO Challenge: 2-Step (Standard) auf einem 100K-Konto laut unseren Daten:

Regel FTMO Challenge: 2-Step
Gewinnziel Phase 1 / Phase 2 10 % / 5 %
Tagesverlustlimit 5 %
Maximaler Verlust 10 %, statisch
Mindesthandelstage 4
Zeitlimit keins
Gewinnbeteiligung 80 %, 90 % über den Skalierungsplan
Preis 100K 540 € (rund 613 $)

Neben dem 2-Step-Modell gibt es 1-Step-Challenges, 3-Step-Programme und Instant Funding ohne Test. Die Unterschiede erklärt unser Ratgeber Prop Firm Challenges erklärt. Wie die Verlustlimits genau rechnen, steht in Drawdown erklärt.

Was kostet Prop Trading?

Du kannst nie mehr verlieren als das, was du bezahlst. Die Summe ist aber oft höher als die erste Gebühr.

Einmalgebühr (CFD-Firmen). FTMO legt seine 2-Step-Preise in Euro fest:

Kontogröße Preis
10K 89 €
25K 250 €
50K 345 €
100K 540 €
200K 1.080 €

Monatsabo (Futures-Firmen). Bei Take Profit Trader kostet der 100K-Test 330 $ alle 30 Tage, bis du bestehst oder kündigst. Ein Regelverstoß beendet das Abo nicht. Nach dem Bestehen fällt eine einmalige Aktivierungsgebühr von 130 $ an, ein Reset des 100K-Tests kostet 169 $.

Mehrere Versuche. Die meisten brauchen mehr als einen Anlauf. In den FPFX-Daten gab ein typischer Trader rund 800 $ für Challenges aus, verteilt auf drei Versuche, und probierte im Schnitt 2,2 Prop Firms aus.

Rückerstattung. Manche Firmen erstatten die Gebühr mit der ersten Auszahlung. Bei FTMO „kann“ die 2-Step-Gebühr laut Bedingungen mit der ersten Auszahlung zurückkommen. Wer nie bis zur Auszahlung kommt, bekommt nichts zurück.

Rabatte sind häufig. Aktuelle Codes findest du unter Gutscheine, günstige Anbieter in der Liste der günstigsten Prop Firms.

Prop Trading Erfahrungen: Was die Zahlen zur Auszahlung zeigen

Die ehrlichste Antwort auf „Lohnt sich Prop Trading?“ liefern Daten, nicht Erfolgsgeschichten auf Instagram. Die bekannteste Auswertung stammt vom Prop-Tech-Anbieter FPFX Tech, veröffentlicht von Finance Magnates im September 2024. Sie umfasst mehr als 300.000 Konten von rund 100.000 Tradern bei 10 Prop Firms:

Kennzahl Wert
Trader, die eine Challenge bestanden 14 %
Davon mit mindestens einer Auszahlung etwa 45 %
Anteil aller Trader mit Auszahlung etwa 7 %
Durchschnittliche Auszahlung etwa 4 % der Kontogröße
Durchschnittliche Ausgaben pro Trader rund 800 $

Umgerechnet heißt das: Von 100 Tradern bestehen 14, und 7 bekommen tatsächlich Geld. Eine durchschnittliche Auszahlung von 4 % entspricht auf einem 100.000-$-Konto rund 4.000 $. Davon geht noch die Gewinnbeteiligung der Firma ab.

Auch der Zeitplan ist wichtig. Bei FTMO ist die erste Auszahlung ab Tag 14 nach dem ersten Trade auf dem Funded-Konto möglich, danach alle 14 Tage. Vor jeder Auszahlung prüft die Firma dein Trading gegen alle Regeln. Genau dort entstehen die meisten Regelstreits. Wie du dich darauf vorbereitest, steht in Prop Firm Auszahlungen erklärt. Welche Firmen zuverlässig zahlen, zeigt unsere Liste der Prop Firms mit schneller Auszahlung.

Die Risiken beim Prop Trading

Das offensichtliche Risiko ist der Verlust der Gebühr. Die weniger offensichtlichen sind Regeln, Preise und die Firma selbst.

  • Wiederholte Gebühren. Die FMA warnt, dass Rabattaktionen von teilweise bis zu 90 Prozent, Leistungsdruck und Gamification Trader zu immer neuen Challenges verleiten. Viele Plattformen könnten deshalb eine Kostenfalle sein.
  • Struktureller Vorteil der Firma. Bei kostenpflichtigen Challenges vergleicht die FMA das Verhältnis mit dem zwischen Spieler und Spielbank: Die Firma setzt die Regeln allein fest, und die müssen nicht ausgewogen sein.
  • Spreads und Preise. Laut FMA berichten Trader von stark überhöhten Spreads. Ihr Beispiel: 0,8 Pips am Markt, 2,5 Pips bei der Prop Firm. Eine Position startet dann sofort im Minus.
  • Versteckte Regeln. Konsistenzregeln, Lot-Grenzen, News-Fenster und Strategieverbote können Gewinne bei der Auszahlung streichen. Siehe versteckte Regeln bei Prop Firms.
  • Regeländerungen. Firmen ändern ihre Regeln, manchmal auch für laufende Konten.
  • Keine Aufsicht, kein Anlegerschutz. Die meisten Prop-Trading-Plattformen unterliegen laut FMA derzeit keiner behördlichen Aufsicht. Schließt eine Firma, greift keine Entschädigungseinrichtung für Gebühren oder offene Auszahlungen.
  • Verhalten. Die belgische Aufsicht FSMA warnt, dass der spielerische Charakter zu Selbstüberschätzung und leichtsinnigem Verhalten führen kann, auch beim Handel mit eigenem Geld.
  • Steuern. Auszahlungen sind in der Regel steuerpflichtig. Kläre das mit einem Steuerberater.

Ja, für dich als Trader ist der Kauf einer Challenge in Deutschland, Österreich und der Schweiz legal. Die Erlaubnispflicht betrifft die Anbieter, nicht ihre Kunden. Die meisten Prop Firms haben keine Lizenz von BaFin, FMA oder FINMA, weil sie ihr Angebot als Evaluation auf einem Demokonto verkaufen. Ob das im Einzelfall reicht, beurteilen die Aufseher je nach Geschäftsmodell. Alles dazu, inklusive Warnlisten und CFD-Regeln, steht in unserem Ratgeber Ist Prop Trading legal?.

Für wen eignet sich Prop Trading?

Prop Trading passt zu Tradern, die schon eine getestete Strategie und feste Risikoregeln haben, aber wenig eigenes Kapital. Du bist ein guter Kandidat, wenn:

  • Du dieselbe Strategie seit Monaten mit stabilen Ergebnissen tradest, auf Demo oder live
  • Du pro Trade einen kleinen, festen Betrag riskierst, meist 0,25-1 % des Kontos
  • Du schriftliche Regeln auch an schlechten Tagen einhältst
  • Du die Gebühr verlieren kannst, ohne dass es deinen Finanzen schadet

Schlecht passt es, wenn du gerade erst Traden lernst, das Geld für laufende Rechnungen brauchst oder auf News-Spitzen, sehr kurze Trades oder große Positionen setzt. Genau das schränken die Regeln ein. Für den Einstieg lohnt ein Blick auf die besten Prop Firms für Anfänger und unseren Ratgeber Prop Firm Challenge bestehen.

So wählst du eine Prop Firm aus

Wähle die Firma, deren Regeln zu deinem Trading passen. Prüfe dann die Auszahlungen und vergleiche den Preis zuletzt.

  1. Markt wählen. CFD-Firmen für Forex, Indizes und Metalle, Futures-Firmen für börsengehandelte Kontrakte. Siehe beste Forex Prop Firms und beste Futures Prop Firms.
  2. Format wählen. 2-Step, 1-Step, 3-Step oder Instant Funding.
  3. Regeln lesen. News, Wochenende, EAs, Konsistenzregel und Drawdown-Art.
  4. Seriosität prüfen. Unser Ratgeber Sind Prop Firms seriös? zeigt die Warnsignale. Noten und Hidden-Risk-Werte aller Firmen findest du unter Prop Firmen, unsere Methode unter So bewerten wir.
  5. Vergleichen. Nutze den Vergleich und unsere Rangliste der besten Prop Firms. Wer das Kleingedruckte scheut, startet bei den Prop Firms mit geringem versteckten Risiko.

Fachbegriffe wie Trailing Drawdown oder Konsistenzregel erklärt das Prop Trading Glossar.

FAQ

Was ist Prop Trading einfach erklärt?

Eine Firma handelt mit eigenem Geld statt mit Kundengeld. Bei Online-Prop-Firms bedeutet das für dich: Du zahlst eine Gebühr für eine Challenge, tradest ein meist simuliertes Konto nach festen Regeln und bekommst bei Erfolg einen Anteil am Gewinn, meist 80-90 %.

Prop Trading Erfahrungen: Kann man damit Geld verdienen?

Ja, aber nur wenige schaffen es. In den FPFX-Daten mit mehr als 300.000 Konten bestanden 14 % der Trader die Challenge, und etwa 7 % aller Trader bekamen eine Auszahlung. Die durchschnittliche Auszahlung lag bei rund 4 % der Kontogröße.

Wie viel kostet Prop Trading?

Eine 100K-Challenge kostet bei FTMO 540 € einmalig. Futures-Firmen verlangen oft Monatsgebühren, bei Take Profit Trader 330 $ alle 30 Tage für 100K. Plane mehrere Versuche ein: In den FPFX-Daten gab ein typischer Trader rund 800 $ aus.

Handelt man beim Prop Trading mit echtem Geld?

Meist nicht. Bei den meisten CFD-Prop-Firms ist das Funded-Konto ein Demokonto mit fiktivem Geld und echten Kursen. Die Auszahlung an dich ist aber echtes Geld. Einige Futures-Firmen holen ihre besten Trader später auf Live-Konten.

Kann man beim Prop Trading mehr verlieren als die Gebühr?

Nein. Im üblichen Challenge-Modell haftest du nicht für Verluste auf dem Konto. Du verlierst höchstens, was du zahlst: Gebühren, Resets, Add-ons und eventuelle Monatsabos.

Ja, als Trader darfst du eine Challenge kaufen. Die meisten Prop Firms haben aber keine BaFin-Lizenz, und für Gebühren gibt es keinen Anlegerschutz. Details stehen in unserem Ratgeber Ist Prop Trading legal?.

Quellen

Ab in die Praxis

So schneidet jede Firma bei diesen Regeln ab

Weitere Ratgeber