Eine Prop Firm (kurz für Proprietary Trading Firm, auf Deutsch etwa Eigenhandelsfirma) zahlt dir einen Anteil an den Gewinnen, die du auf einem von ihr gestellten Konto erzielst. Vorher musst du meist einen kostenpflichtigen Test bestehen, die sogenannte Challenge. Bei den meisten Prop Firms für Privattrader ist das Funded-Konto heute simuliert, und der Großteil der Einnahmen stammt aus Challenge-Gebühren, nicht aus dem Trading. Betrug ist das Modell deshalb nicht. Es verändert aber, was du eigentlich kaufst.
So funktioniert eine Prop Firm heute
Eine moderne Prop Firm verkauft dir einen Trading-Test und zahlt dich aus, wenn du ihn bestehst und danach innerhalb ihrer Regeln weitertradest. Der Ablauf ist bei den meisten Anbietern ähnlich:
- Du kaufst eine Evaluation. Du wählst eine Kontogröße, etwa 100.000 $, und zahlst eine einmalige Gebühr (Futures-Firmen verlangen oft eine Monatsgebühr).
- Du tradest nach festen Regeln. Du musst ein Gewinnziel erreichen, ohne das Tagesverlustlimit oder den maximalen Verlust zu reißen.
- Du bestehst und wirst verifiziert. Die Firma prüft deine Identität (KYC-Prüfung), und du unterschreibst einen Trader-Vertrag.
- Du tradest ein Funded-Konto. Ein Gewinnziel gibt es jetzt nicht mehr. Die Verlustlimits bleiben, du beantragst Auszahlungen nach Zeitplan und behältst den Großteil des Gewinns.
- Du skalierst. Viele Firmen erhöhen deine Kontogröße, wenn du eine Zeit lang stabil im Plus bist.
Klassische Prop-Trading-Firmen funktionieren anders: Dort handeln angestellte Trader im Büro mit dem eigenen Geld der Firma. Prop Firms für Privattrader arbeiten online, stehen fast jedem offen und sind um die Evaluation herum gebaut.
Die Evaluation in Zahlen
Eine typische Evaluation verlangt 8-10 % Gewinn auf das Konto, ohne an einem Tag mehr als etwa 5 % oder insgesamt mehr als 10 % zu verlieren. So sieht ein gängiges 2-Step-Programm auf einem 100.000-$-Konto aus:
| Regel | Typische Einstellung | Auf einem 100K-Konto |
|---|---|---|
| Gewinnziel Phase 1 | 8-10 % | 8.000-10.000 $ |
| Gewinnziel Phase 2 | 4-5 % | 4.000-5.000 $ |
| Tagesverlustlimit | 4-5 % | 4.000-5.000 $ |
| Maximaler Verlust | 8-10 % | 8.000-10.000 $ |
| Mindestanzahl Handelstage | 0-5 | Je nach Firma |
| Zeitlimit | Meist keins | Keine Frist |
| Gewinnbeteiligung im Funded-Konto | 80-90 % | 800-900 $ von jeweils 1.000 $ Gewinn |
| Listenpreis | Vor Rabatten | Etwa 400-600 $ |
1-Step-, 3-Step- und Instant-Funding-Programme verschieben diese Werte. Unser Ratgeber zu den Challenge-Arten bei Prop Firms vergleicht sie, und auf der Challenges-Seite siehst du aktuelle Programme nebeneinander.
Was „funded“ wirklich bedeutet
Bei den meisten CFD- und Forex-Prop-Firms ist das Funded-Konto ein Demokonto mit virtuellem Geld. Deine Auszahlungen kommen aus den Einnahmen der Firma. Große Anbieter schreiben das offen in ihre Bedingungen, mit Begriffen wie „simulated“ oder „demo“. Deine Trades landen also nicht am echten Markt, aber die Gewinnbeteiligung, die du ausgezahlt bekommst, ist echtes Geld.
Manche Firmen kopieren ihre konstantesten Trader über einen Broker in den echten Markt, und Futures-Firmen holen gelegentlich einzelne Trader auf Live-Konten. Topstep, eine große Futures-Firma, meldet, dass 2025 0,71 % der Trader in ihren Express Funded Accounts auf ein Live-Funded-Konto befördert wurden.
Was das für dich heißt:
- Dein Gewinn zählt erst, wenn er ausgezahlt ist. Bis dahin ist er eine Zahl auf einem simulierten Konto, die die Firma prüfen kann.
- Die Firma kontrolliert die Umgebung. Spreads, Kommissionen, Slippage und Kursdaten legt die Firma oder ihr Technologieanbieter fest.
- Die Regeln gelten für den simulierten Gewinn. Findet die Firma bei der Auszahlungsprüfung einen Regelverstoß, kann sie diesen Gewinn streichen.
Wie Prop Firms Geld verdienen
Die meisten Prop Firms verdienen den Großteil ihres Geldes mit Evaluationsgebühren, weil die meisten Käufer scheitern, bevor sie eine Auszahlung erreichen. Die wichtigsten Einnahmequellen:
- Evaluationsgebühren, der Kern des Geschäfts
- Resets und neue Versuche nach einer gescheiterten Challenge
- Kostenpflichtige Add-ons, etwa eine höhere Gewinnbeteiligung oder schnellere Auszahlungen
- Monatsabos und Aktivierungsgebühren bei Futures-Firmen
- Bei manchen Firmen Handelserträge aus dem Kopieren profitabler Trader
Die Zahlen zeigen, warum das für die Firma aufgeht. In einem Datensatz mit mehr als 300.000 Konten von rund 100.000 Tradern bei 10 Firmen stellte der Prop-Tech-Anbieter FPFX Tech fest, dass 14 % der Trader eine Challenge bestanden und etwa 7 % aller Trader eine Auszahlung erhielten (berichtet von Finance Magnates im September 2024). Die durchschnittliche Auszahlung lag bei etwa 4 % der Kontogröße. Die eigenen Zahlen von Topstep für 2025 sehen ähnlich aus: 16,8 % der begonnenen Evaluations wurden abgeschlossen, und 33,3 % der Trader, die das Funded-Level erreichten, bekamen eine Auszahlung.
Betrug ist das Modell an sich nicht. Auch eine Fahrschule verdient an Leuten, die durch die Prüfung fallen. Das Risiko liegt im Anreiz: Sinken die Gebühreneinnahmen einer Firma oder gewinnen ihre Trader mehr als geplant, hat sie einen Grund, die Regeln zu verschärfen oder Auszahlungen zu verzögern. Deshalb sagen Auszahlungshistorie und Regeländerungen mehr als jedes Marketing.
Gewinnbeteiligung und Auszahlungen
Die Gewinnbeteiligung ist der Anteil am Gewinn im Funded-Konto, den du behältst. Üblich sind 80 %, über Skalierungspläne oder kostenpflichtige Add-ons auch 90 % oder mehr. Machst du auf einem 100.000-$-Funded-Konto 4.000 $ Gewinn, bekommst du bei 80 % Gewinnbeteiligung 3.200 $, die Firma behält 800 $.
Weitere Auszahlungsbedingungen, die du vor dem Kauf prüfen solltest:
- Erste Auszahlung: meist 14 Tage nach deinem ersten Trade im Funded-Konto, manchmal auf Anfrage, manchmal erst nach 30 Tagen.
- Rhythmus: wöchentlich, alle zwei Wochen oder monatlich.
- Gebührenerstattung: Viele Firmen erstatten die Evaluationsgebühr mit deiner ersten Auszahlung.
- Bedingungen: Manche Firmen verlangen eine Mindestanzahl an Handelstagen oder einen Gewinnpuffer, bevor du abheben kannst.
Unser Ratgeber zu Auszahlungen erklärt jeden dieser Punkte, und unser Ranking der Prop Firms mit schneller Auszahlung zeigt, welche Firmen zuverlässig zahlen.
Für wen eine Prop Firm passt
Eine Prop Firm passt zu Tradern, die schon eine getestete Strategie und strikte Risikogewohnheiten haben, aber wenig eigenes Kapital. Du bist ein guter Kandidat, wenn:
- Du seit Monaten dieselbe Strategie mit stabilen Ergebnissen tradest, auf einem Demo- oder Live-Konto
- Du pro Trade einen kleinen, festen Betrag riskierst, meist 0,25-1 % des Kontos
- Du schriftliche Regeln ohne Ausnahme einhältst, auch an schlechten Tagen
- Du die Gebühr verlieren kannst, ohne dass es deinen Finanzen wehtut
Schlecht passt es, wenn du noch Traden lernst, das Geld für Rechnungen brauchst oder eine Strategie nutzt, die von News-Spitzen, sehr kurzen Trades oder großen Positionen lebt. Genau diese Verhaltensweisen schränken die Regeln von Prop Firms ein. Wenn du neu bist, starte mit unserer Liste der Prop Firms für Anfänger. Sie bevorzugt einfache Regeln und statischen Drawdown.
Die Risiken, die du eingehst
Das offensichtliche Risiko ist der Verlust der Gebühr. Weniger offensichtlich sind abgelehnte Auszahlungen, Regeländerungen und die Pleite einer Firma. Eine Challenge ist ein bezahltes Produkt, und die meisten Käufer bestehen sie nie.
- Die Gebühr verlieren, immer wieder. Viele Trader kaufen mehrere Versuche. In den FPFX-Daten nutzten Trader im Schnitt 2,2 Prop Firms.
- Versteckte Regeln. Konsistenzregeln, Lot-Obergrenzen, News-Sperrzeiten und verbotene Strategien können dir bei der Auszahlung Gewinne kosten. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu versteckten Regeln bei Prop Firms.
- Regeländerungen. Firmen ändern ihre Regeln, und manche wenden die Änderungen auch auf laufende Konten an.
- Ausfall von Firma oder Plattform. Im Februar 2024 begann MetaQuotes, der Hersteller von MetaTrader 4 und 5, Prop Firms abzuschneiden, die seine Plattformen über Broker nutzten. Manche Firmen verloren ihre Plattform innerhalb weniger Tage, und einige kleinere Firmen schlossen in den Monaten danach.
- Kein Anlegerschutz. Die meisten Prop Firms für Privattrader sind keine lizenzierten Broker oder Wertpapierfirmen. Geht die Firma pleite, sichert keine Entschädigungseinrichtung Gebühren oder Auszahlungen ab.
- Steuern. Auszahlungen sind in der Regel steuerpflichtiges Einkommen. Die Regeln hängen von deinem Land ab.
CFD-Prop-Firms vs. Futures-Prop-Firms
CFD-Prop-Firms (Forex) und Futures-Prop-Firms verkaufen dieselbe Idee mit unterschiedlicher Technik. CFD-Firmen verlangen meist eine einmalige Gebühr, bieten Forex, Indizes, Metalle und Krypto auf Plattformen wie MT5, cTrader oder Match-Trader an und arbeiten oft mit statischem Drawdown. Futures-Firmen verlangen meist eine Monatsgebühr, bieten börsengehandelte Kontrakte wie Index-Futures an und nutzen einen nachlaufenden (trailing) oder End-of-Day-Drawdown in Dollar. Wähle die Art, die zu dem Markt passt, den du tatsächlich tradest.
So wählst du eine Prop Firm aus
Wähle die Firma, deren Regeln zu deinem bisherigen Trading passen, und prüfe ihre Auszahlungshistorie, bevor du auf den Preis schaust. Eine einfache Reihenfolge:
- Wähle das Programmformat, das zu deinem Stil passt: 2-Step, 1-Step, 3-Step oder Instant Funding.
- Lies die Regeln, die deine Strategie betreffen: News, Halten übers Wochenende, EAs, Lot-Limits und Konsistenz.
- Prüfe Auszahlungshistorie und aktuelle Beschwerden auf unserer Seite mit Tests.
- Prüfe die Note der Firma und ihren Hidden-Risk-Score in unseren Firmenbewertungen und lies, wie wir bewerten.
- Vergleiche den Preis zuletzt, über den Vergleich oder die aktuellen Gutscheine.
FAQ
Ist eine Prop Firm dasselbe wie ein Broker?
Nein. Ein Broker verwahrt dein eingezahltes Geld und leitet deine Trades an den Markt weiter. Eine Prop Firm für Privattrader verkauft dir eine Evaluation und zahlt dir eine Gewinnbeteiligung auf einem Konto, das sie stellt und das meist simuliert ist. Manche Prop Firms arbeiten mit Brokern zusammen oder besitzen einen, die Challenge selbst ist aber eine separate Dienstleistung.
Bekommt man bei einer Prop Firm echtes Geld zum Traden?
Meist nicht direkt. Bei den meisten CFD-Prop-Firms liegt auf dem Funded-Konto virtuelles Geld, und die Firma zahlt deine Gewinnbeteiligung aus eigenen Mitteln. Einige wenige Firmen, vor allem im Futures-Bereich, holen einen kleinen Teil der Trader auf Live-Konten.
Was kostet der Einstieg bei einer Prop Firm?
Eine 2-Step-Evaluation über 100.000 $ kostet laut Liste typischerweise etwa 400-600 $, kleinere Konten weniger. Rabatte gibt es oft, prüfe also vor dem Kauf die aktuellen Gutscheine. Plane mehr als einen Versuch ein, denn die meisten Käufer bestehen nicht beim ersten Mal.
Kann man bei einer Prop Firm mehr als die Gebühr verlieren?
Nein. Im üblichen Evaluationsmodell haftest du nicht für Handelsverluste auf dem Konto. Dein maximaler Verlust ist das, was du bezahlst: Evaluationsgebühren, Resets, Add-ons und eventuelle Monatsabos.
Sind Prop Firms reguliert?
Die meisten Prop Firms für Privattrader sind nicht als Broker oder Wertpapierfirma reguliert, weil du eine Dienstleistung kaufst und kein Geld zum Traden einzahlst. Manche gehören zu regulierten Brokern oder arbeiten mit ihnen zusammen. Das kann für Stabilität sorgen, gibt dir aber keinen Anlegerschutz für Gebühren oder Auszahlungen.
Quellen
- Finance Magnates: Exclusive: Only 7% of 300,000 Prop Trading Accounts Achieved Payouts (18. September 2024)
- Finance Magnates / TradingView: FPFX-Daten zu Bestehensquote, Auszahlungsquote und durchschnittlicher Auszahlungshöhe
- Topstep: Kennzahlen Januar bis Dezember 2025 (Hinweis auf der Startseite)
- Topstep: Live Funded Account Rules
- Finance Magnates: Prop Trading and MetaQuotes: Funding Pips Case May Mark the End of MT Access to US Clients
- Finance Magnates: Prop Trading Firms' Renaissance: Cutting US Clients, Integrating New Trading Platforms