Versteckte Regeln sind alle Bedingungen jenseits von Gewinnziel und Drawdown, die dich trotzdem Gewinne oder das ganze Konto kosten können. Die häufigsten sind Konsistenzregeln, Limits für Lots und Risiko, News-Fenster, Wochenend-Beschränkungen, Regeln zu Copy-Trading und IP-Adressen, Verbote von HFT und „Gambling“ sowie weit gefasste Klauseln zum „alleinigen Ermessen“. Die meisten stehen in den FAQ oder den AGB und nicht auf der Preisseite. Lies sie, bevor du zahlst.
Warum versteckte Regeln so wichtig sind
Versteckte Regeln werden meist erst bei der Auszahlung geprüft, also nachdem du die Arbeit schon gemacht hast, und nicht in Echtzeit auf deinem Dashboard. Ein Verstoß fällt oft erst auf, wenn die Firma vor der Auszahlung deine Trades durchgeht. Die Folge kann eine kleinere Auszahlung sein, gestrichene Gewinne aus einzelnen Trades oder ein geschlossenes Konto.
Wir bewerten dieses Risiko für jede Firma. Der PropGrade Hidden Risk Score reicht von 0 bis 10. Je höher er ist, desto mehr Wege gibt es, ein Konto oder eine Auszahlung durch eine Regel zu verlieren, mit der du nicht gerechnet hast. Sieh dir die Firmen mit dem geringsten versteckten Risiko an, und lies unter So bewerten wir, wie wir vorgehen.
Konsistenzregeln
Eine Konsistenzregel begrenzt, wie viel deines Gewinns aus einem einzelnen Tag oder Trade stammen darf. Sie kann eine Auszahlung verzögern oder kürzen, auch wenn du kein Verlustlimit verletzt hast. Es gibt drei gängige Varianten:
- Obergrenze für den besten Tag bei der Auszahlung: Dein bester Tag darf höchstens einen festen Anteil am Gesamtgewinn ausmachen, je nach Firma irgendwo zwischen etwa 15 % und 50 %.
- Bester-Tag-Regel in der Challenge: dieselbe Idee schon vor dem Bestehen, damit nicht ein einziger großer Tag das ganze Gewinnziel trägt.
- Konsistenz bei der Lot-Größe: Deine Positionsgrößen müssen in einer Spanne um deine durchschnittliche Größe bleiben.
Rechenbeispiel: 40 % Obergrenze für den besten Tag
Du handelst ein Funded-Konto über 100.000 $ und beantragst nach dieser Woche eine Auszahlung:
| Tag | Ergebnis |
|---|---|
| Montag | +800 $ |
| Dienstag | −300 $ |
| Mittwoch | +2.600 $ |
| Donnerstag | +500 $ |
| Freitag | +400 $ |
| Summe | +4.000 $ |
Dein bester Tag (2.600 $) macht 65 % des Gesamtgewinns (4.000 $) aus, deutlich über der Grenze von 40 %. Um die Regel zu erfüllen, muss der Gesamtgewinn 2.600 $ ÷ 0,40 = 6.500 $ erreichen. Du brauchst also weitere 2.500 $, ohne dass ein Tag über 2.600 $ liegt, denn ein größerer Tag legt die Latte wieder höher. Bei einer Grenze von 50 % bräuchtest du 5.200 $.
Kleine Details ändern die Rechnung. Manche Firmen teilen durch die Summe der Gewinntage (hier 4.300 $, damit liegt der beste Tag bei 60,5 %) statt durch den Nettogewinn. Andere sperren die Auszahlung nicht, sondern zahlen nur den Teil des Gewinns aus, der die Regel erfüllt.
Rechenbeispiel: Konsistenz bei der Lot-Größe
Angenommen, deine durchschnittliche Position liegt bei 2 Lots, und die Regel erlaubt Trades zwischen dem 0,5- und dem 2-Fachen deines Durchschnitts. Dein erlaubter Bereich liegt dann bei 1 bis 4 Lots. Ein einziger Trade mit 6 Lots außerhalb dieser Spanne kann aus deinem Gewinn herausgerechnet werden, selbst wenn er ein Gewinner war.
So bleibst du auf der sicheren Seite: Setz dir neben einem täglichen Verlustlimit auch ein tägliches Gewinnlimit, und halte deine Positionsgröße in einer engen, geplanten Spanne.
Maximale Lot-Größe und Risiko-Limits pro Trade
Viele Firmen begrenzen die Positionsgröße, entweder als maximale Anzahl Lots oder als maximales Risiko pro Trade. Mehrere Positionen auf dieselbe Idee zählen dabei meist als ein Trade. Wo es ein Limit pro Trade gibt, liegt es oft bei 1–3 % des Startkapitals oder bei der Hälfte des Tagesverlustlimits. Eine „Trade-Idee“ umfasst meist alle offenen Positionen auf ein Instrument in dieselbe Richtung. Manche Firmen zählen auch einen Trade, der geschlossen und innerhalb weniger Minuten neu eröffnet wird, als dieselbe Idee.
Beispiel: Auf einem Konto über 100.000 $ mit einem Limit von 2 % pro Trade-Idee liegt die Grenze bei 2.000 $. Eröffnest du drei Positionen auf dasselbe EURUSD-Setup mit je 800 $ Risiko, liegt dein Gesamtrisiko bei 2.400 $. Eine Firma mit dieser Regel wertet das als einen einzigen Trade über 2.400 $, und damit ist das Limit gerissen. Manche Firmen begrenzen außerdem die offenen Lots pro Instrument oder schließen einen Trade automatisch, wenn sein offener Verlust eine bestimmte Schwelle überschreitet.
News-Trading-Fenster
News-Regeln verbieten auf Funded-Konten meist, Trades wenige Minuten vor und nach wichtigen Veröffentlichungen zu eröffnen oder zu schließen, üblich sind 2 bis 5 Minuten davor und danach. Typische Termine mit hoher Wirkung sind die US-Inflation (CPI), die Arbeitsmarktdaten (Nonfarm Payrolls) und Zinsentscheide der Notenbanken.
Achte auf vier Details:
- Welche Konten: Viele Firmen erlauben News-Trading in der Challenge und schränken es erst auf dem Funded-Konto ein.
- Was zählt: Manche Firmen rechnen auch Pending Orders sowie Ausführungen von Stop-Loss oder Take-Profit innerhalb des Fensters mit.
- Welche Instrumente: Manche beschränken nur Instrumente, die mit der Währung der Veröffentlichung zusammenhängen, andere alles.
- Die Strafe: Meist wird der Gewinn aus diesen Trades gestrichen, die Verluste zählen aber weiter. Wiederholte Fälle können das Konto kosten.
Wenn du gezielt auf News handelst, starte mit unserer Liste der Prop Firms für News-Trading.
Beschränkungen über Wochenende und Nacht
Manche Konten müssen vor dem Wochenende flat sein, und manche, vor allem Futures- und bestimmte Instant-Konten, sogar am Ende jeder Handelssitzung. Firmen, die das Halten übers Wochenende erlauben, beschränken es oft auf ein eigenes Swing-Konto mit geringerem Hebel. Musst du vor Freitagsschluss schließen und tust es nicht, schließt die Firma die Positionen eventuell selbst oder wertet es als Verstoß.
Auch Wochenend-Gaps zählen gegen deinen Drawdown: Ein Trade, der am Sonntag über deinen Stop hinweg eröffnet, kann ein Verlustlimit treffen, bevor du reagieren kannst. Swing-Trader starten am besten mit unserer Liste der Prop Firms für Swing-Trading.
Copy-Trading, Gruppentrading und Kontoverwaltung
Trades zwischen deinen eigenen Konten bei einer Firma zu kopieren ist oft erlaubt. Jemand anderen zu kopieren, synchron mit einer Gruppe zu handeln oder eine andere Person dein Konto handeln zu lassen, meist nicht. Die Firmen vergleichen die Trades aller Kunden. Identische Einstiege in derselben Sekunde auf Konten, die nichts miteinander zu tun haben, sehen nach Signalgruppe, geteiltem EA oder Passing-Service aus.
Darauf solltest du achten:
- Signaldienste und Trade-Copier-Gruppen, auch kostenpflichtige
- Bekannte EAs von der Stange, die viele Kunden gleichzeitig laufen lassen
- Dienste zur „Kontoverwaltung“ oder zum „Passing“: Sie sind überall verboten und führen zur Sperre und zum Verlust aller Gewinne
- Einen Trade in Gegenrichtung auf einem anderen Konto zu kopieren, was als Hedging zwischen Konten gilt
Wenn du einen Bot einsetzt, lies vor dem Kauf die Regeln zu Fremd-EAs. Sieh dir unsere Liste der Prop Firms für EA-Trading an.
Regeln zu IP-Adresse, VPN und Geräten
Die Firmen protokollieren die IP-Adressen und Geräte, von denen du handelst. Logins über ein VPN, eine geteilte Verbindung oder aus einem Land, das nicht zu deinem Ausweis passt, können eine Prüfung auslösen. Zwei Kunden, die von derselben IP-Adresse handeln, etwa Verwandte in einem Haushalt, können als eine Person mit zu vielen Konten oder als geteiltes Trading gewertet werden.
Praktische Regeln: Verzichte auf VPNs, handle von deinen eigenen Geräten und deiner eigenen Verbindung, logge dich aus dem Land ein, das in deinem Ausweis steht, und informiere den Support schriftlich, bevor du verreist. Ein VPS ist meist erlaubt, wenn nur du ihn nutzt.
HFT, Latenzarbitrage und Tick-Scalping
Strategien, die die simulierte Umgebung statt den Markt ausnutzen, sind fast überall verboten. Die übliche Liste:
- Hochfrequenzhandel (HFT): sehr viele Orders, meist von Bots.
- Latenzarbitrage: einen schnelleren Kursfeed nutzen, um gegen einen langsameren zu handeln.
- Tick-Scalping: Trades nur Sekunden halten. Manche Firmen legen eine Mindesthaltedauer fest, andere entscheiden im Einzelfall.
- Hedging über Konten: Gegenpositionen auf zwei Konten, bei einer Firma oder bei zwei Firmen, damit immer ein Konto gewinnt.
- Fehler ausnutzen: Gewinne aus Kursspitzen, eingefrorenen Kursen oder Plattformfehlern werden meist gestrichen.
Normales Scalping mit Haltedauern von einigen Minuten ist bei den meisten Firmen erlaubt. Das Problem ist ein Muster sehr kurzer Trades, deren Gewinn von der Ausführungsgeschwindigkeit abhängt und nicht von der Marktrichtung.
„Gambling“- und All-in-Regeln
Gambling-Klauseln erlauben es einer Firma, Gewinne aus Trades zu streichen, die sie für leichtsinnig hält, etwa wenn du den Großteil des Tagesverlusts in einer Position riskierst oder kurz vor News die maximale Größe nutzt. Die Firmen formulieren das unterschiedlich, die beschriebenen Verhaltensweisen ähneln sich aber:
- Eine große Position, die mit einer einzigen Bewegung den Tages- oder maximalen Verlust erreichen könnte
- Eine Challenge in ein oder zwei Tagen mit übergroßen Trades bestehen
- Große Positionen ohne Stop-Loss
- Martingale- oder Grid-Systeme, die die Größe nach Verlusten erhöhen
- Über mehrere Konten „all in“ auf eine Richtung gehen
Der sichere Weg ist auch der einfachste: Halte dein Risiko pro Trade klein und gleichmäßig, dann finden diese Klauseln nichts, worauf sie zeigen können.
Inaktivität, Kapitalobergrenzen und Kontolimits
Ein Konto kann geschlossen werden, weil du nicht handelst, und dein Gesamtkapital kann begrenzt werden, weil du zu viel handelst. Inaktivitätsregeln schließen ein Konto häufig nach 30 Tagen ohne Trade, einige Firmen erlauben auf Funded-Konten längere Pausen. Kapitalobergrenzen beschränken die gesamte Kontogröße, die ein Trader über alle Konten bei einer Firma halten darf. Manche Firmen rechnen Konten mit identischen Trades auf eine gemeinsame Obergrenze an. Wer zusätzliche Konten kauft, um dieselbe Strategie zu kopieren, riskiert also abgelehnte Käufe, zusammengelegte Konten oder gekürzte Auszahlungen.
Klauseln zum „alleinigen Ermessen“
Eine Klausel zum „alleinigen Ermessen“ (sole discretion) erlaubt es einer Firma, eine Auszahlung zu verweigern, ein Konto zu schließen oder Regeln zu ändern, ohne auf eine konkrete Regel zu verweisen. Fast jede Firma hat so eine Klausel. Entscheidend ist, wie sie sie nutzt:
- Nennt die Firma bei einer verweigerten Auszahlung die genaue Regel und die betroffenen Trades?
- Werden Regeländerungen vorher angekündigt, und gelten sie auch für Konten, die du schon gekauft hast?
- Hat die Firma Entscheidungen nach einer Prüfung schon zurückgenommen, oder antwortet sie einfach nicht mehr?
Frag den Support schriftlich nach allem, was unklar ist, und speichere die Antwort. Sie ist dein bester Beleg, falls später eine Entscheidung gegen dich fällt.
KYC-Prüfung und Länderbeschränkungen
Viele Firmen prüfen deine Identität erst nach dem Bestehen. Eine Länderbeschränkung oder ein abweichender Name kann dir dann ein Funded-Konto versperren, das du dir schon verdient hast. Die Firmen schließen sanktionierte Länder aus und oft noch einige weitere aus Zahlungs- oder Rechtsgründen. Manche nehmen keine US-Einwohner an oder nur auf bestimmten Plattformen. Dein Name muss in der Regel auf Ausweis, Zahlungskarte und Auszahlungsmethode übereinstimmen. Lies die Liste der gesperrten Länder vor dem Bezahlen, nicht nach dem Bestehen.
Checkliste vor dem Kauf
Bevor du eine Challenge bezahlst, beantworte diese Fragen anhand der AGB und FAQ der Firma selbst, und speichere eine datierte Kopie der Seiten:
- Gibt es eine Konsistenz- oder Bester-Tag-Regel, und gilt sie in der Challenge, bei der Auszahlung oder bei beidem?
- Gibt es ein maximales Risiko pro Trade oder ein Lot-Limit, und zählen gestapelte Positionen als ein Trade?
- Ist News-Trading auf dem Funded-Konto erlaubt, und wie lang ist das Fenster?
- Darfst du auf diesem Kontotyp Trades über Nacht und übers Wochenende halten?
- Sind EAs erlaubt, und sind Fremd-EAs oder geteilte EAs eingeschränkt?
- Gibt es eine Mindesthaltedauer oder eine schriftliche Definition von Tick-Scalping?
- Sind Copy-Trading und mehrere Konten erlaubt, und wie hoch ist die Kapitalobergrenze?
- Was gilt laut AGB als „Gambling“ oder Hochrisiko-Trading?
- Wie lange darfst du ohne Trade bleiben, bevor das Konto geschlossen wird?
- Wird dein Land akzeptiert, und welche Dokumente brauchst du für die KYC-Prüfung?
- Gelten Regeländerungen auch für bereits gekaufte Konten?
- Zeigen aktuelle Erfahrungen, dass die Firma bei verweigerten Auszahlungen konkrete Regeln nennt?
Lies danach die Hidden-Risk-Hinweise zur Firma in unserer Prop-Firm-Übersicht und unseren Ratgeber zu Auszahlungen bei Prop Firms. Eine Challenge ist ein kostenpflichtiges Produkt, und die meisten Trader bestehen sie nicht. Eine Regel, die du vorher hättest lesen können, sollte nicht der Grund sein, warum du sie verlierst.
FAQ
Welche versteckten Regeln sollte ich zuerst prüfen?
Fang mit den Regeln an, die bei der Auszahlung geprüft werden: Konsistenz, News-Fenster, Risiko- oder Lot-Limits und Strategieverbote wie HFT oder Copy-Trading. Prüfe danach das Halten übers Wochenende, die Inaktivitätsregel und die Länderliste. Diese Punkte übersieht man leicht, weil dein Dashboard sie nicht anzeigt.
Was ist die Konsistenzregel bei Prop Firms?
Sie begrenzt, wie viel deines Gewinns von einem einzelnen Tag oder Trade stammen darf, je nach Firma etwa 15 % bis 50 %. Liegt dein bester Tag darüber, musst du weiter handeln, bis der Gesamtgewinn groß genug ist, oder du bekommst nur einen Teil ausgezahlt.
Darf eine Prop Firm die Regeln nach dem Kauf ändern?
Ja, die meisten AGB erlauben das. Gute Firmen kündigen Änderungen vorher an und lassen bestehende Konten unter den alten Regeln laufen. Prüfe vor dem Kauf im Test der Firma, wie sie in der Vergangenheit mit Regeländerungen umgegangen ist.
Ist Copy-Trading bei Prop Firms erlaubt?
Zwischen deinen eigenen Konten bei derselben Firma ist Kopieren innerhalb der Kapitalobergrenze oft erlaubt. Einen anderen Trader zu kopieren, einer Signalgruppe beizutreten oder einen weit verbreiteten EA zu nutzen, ist bei vielen Firmen eingeschränkt. Hedging über mehrere Konten ist fast überall verboten.
Was passiert, wenn ich gegen eine versteckte Regel verstoße?
Das hängt von der Regel und der Firma ab. Beim ersten Verstoß gegen ein News-Fenster wird oft nur der Gewinn aus diesen Trades gestrichen. Copy-Trading, Kontoweitergabe oder HFT bedeuten dagegen meist, dass das Konto geschlossen wird und die Gewinne verfallen. In den AGB steht normalerweise, welche Verstöße als leicht und welche als schwer gelten.